Seine Frau im Auto und zwei Kollegen auf dem Velo. So sah letztes Jahr das Betreuerteam von Walter Jenni am Bieler 100-KilometerLauf aus. Mit diesem Team hat der 41-Jährige gute Erfahrungen gemacht. Kein Grund also, an der Vorgehensweise im Hinblick auf die heutige Operation Titelverteidigung etwas zu ändern. Einzige Neuerung: Weil die Organisatoren nur noch einen Velofahrer pro Läufer erlauben, wird Jenni diesmal nur noch von seiner Frau im Auto und einem Kollegen auf dem Velo betreut. Eine kurze Absprache reiche, dann wisse jeder im Team, was er zu tun habe, erklärt der Oberwiler.
Einen Kollegen auf dem Velo hatte in den letzten beiden Jahren auch der vier Jahre jüngere Matthias Klotz dabei. Ins Ziel kam er jedoch nie. Vor zwei Jahren stieg er nach 72 Kilometern mit Magen-Darm-Problemen aus. Letztes Mal zwangen ihn Wadenschmerzen nach 64 Kilometern zur Aufgabe. Zur persönlichen Enttäuschung kam ein schlechtes Gewissen gegenüber dem Velobegleiter und den Kollegen an der Strecke. Deshalb hat sich der polysportive Bieler entschieden, diesmal auf jegliche Begleiter zu verzichten. In einem kleinen, eng anliegenden Rucksack hat er alles Nötige für die «Nacht der Nächte» dabei.

Unterschiedliche Ziele
Die Beispiele von Walter Jenni und Matthias Klotz – beide sehr erfahrene und erfolgreiche Vertreter der regionalen Laufszene – zeigen, dass jeder Athlet auf seine Weise den Erfolg anstrebt. Wobei sie Erfolg im Zusammenhang mit dem Bieler 100-Kilometer-Lauf nicht gleich definieren. Während Jenni nach seinem letztjährigen Sieg in der Spitzenzeit von 6:49 Stunden die Titelverteidigung anstrebt, hofft Klotz auf eine Endzeit um acht Stunden. «Es kann sein, dass ich eine Viertelstunde schneller bin. Je nachdem habe ich aber auch plötzlich eine halbe Stunde länger.»
Die Sprüche der Kollegen
Mit ihrer Vorbereitung sind die beiden Seeländer zufrieden. Matthias Klotz schreckte auch nicht davor zurück, an einem Tag zweimal um den Bielersee zu rennen, um die Gewissheit zu erlangen, dass er imstande ist, mehr als 80 Kilometer am Stück zu laufen. Druck spüre er keinen, versichert er. Im Gegenteil. «Ich nehme es mit Humor. Kollegen von mir machen schon Sprüche, dass sie nicht auf der zweiten Streckenhälfte auf mich warten wollen, weil sie nicht sicher seien, ob ich dort vorbeikomme.»
Im Fall von Walter Jenni, der den «Hunderter» zweimal erfolgreich beendet hat (2007 wurde er in 7:42 Stunden Fünfter), ist das anders. «Ich bin extrem oft auf den Lauf angesprochen worden.» Hinzu kommt die eigene Erwartungshaltung. Der Wunsch, auch diesmal als Sieger ins Ziel zu kommen. Wobei er sogleich betont, «dass in einem so langen Rennen vieles passieren kann. Krisen kann es immer geben. Wichtig ist, in einem solchen Moment ruhig zu bleiben.»
Schweigend durch die Nacht
Ruhig bleiben wird Walter Jenni auch, wenn er während Stunden seinen Velobegleiter neben sich hat. «Viel wird da nicht gesprochen», sagt er. «Letztes Jahr haben wir erst auf den letzten fünf Kilometern ein bisschen zu plaudern begonnen, als ich schon einen grossen Vorsprung hatte.»
Mit dem Begleiter plaudern oder nicht? Eine Frage, die sich Matthias Klotz so nicht stellen wird ...
Das Programm Favorit Jenni
• Der «Hunderter» zählt als
100-km-Schweizer-Meister- schaft
• Vorjahressieger Walter Jenni startet
als Favorit
• Für einen Spitzenplatz kommen auch Rolf Thallinger und
Dan Uebersax in Frage
• Der Inser Markus Kramer, mehrfacher
«Hunderter»Sieger, kann wegen einer Verletzung nicht teilnehmen
• Weil Vorjahressiegerin Sonja Knöpfli nicht startet, ist die Ausgangslage bei den Frauen völlig offen
ab 19.40 Uhr: Inlinerennen in der Innenstadt
22
Uhr: Start 100-km-Lauf (Einzel und Paare) und Militärpatrouille
22.30
Uhr: Start Marathon und Halbmarathon 23 Uhr: Start 100-km-Stafette
ab
4.30 Uhr: Zieleinlauf Sieger
ab 5.30 Uhr: Zieleinlauf Siegerin 8.30
Uhr: Siegerehrung
14.30 Uhr: Start Büttenberglauf (14,5 km)
19 Uhr: Zielschluss 100-kmLauf (bfn) LINK: www.100km.ch
Quelle Bieler Tagblatt 12.6.2009
Eintrag Felix Weilenmann
Triathlon Club Seeland - Email: info[at]triseeland.ch