Logo
Login Memberbereich
Benutzername
Passwort
Einloggen

Kids-Biennathlon



Sport rauchfrei

Unterstützt durch:


Group triseeland.ch

 
» Aktuelles

35 Grad, schwere Beine, harter Kampf

An der Ironman-70.3Weltmeisterschaft in Henderson überrascht Gabriel Hopf . Der Bieler Triathlet bringt die 1,9 km Schwimmen, 90 km Radfahren und 21,1 km Laufen in einer Zeit von 4:30:53 hinter sich.

Nein, das darf doch nicht wahr sein. Nicht jetzt. Gabriel Hopf drückt sich an die Seite, es sticht erbarmungslos. Nur nichts anmerken lassen, die Zähne zusammenbeissen und weiterrennen. Immer weiter. Bis zum Ziel ist es nicht mehr weit. Vom Himmel brennt die Wüstensonne von Nevada, 35 Grad, die Luft so trocken, dass sie den Hals verklebt. Es ist 12 Uhr mittags auf einer Strasse in Henderson, einer Stadt, die mehr einem ausufernden Vorort gleicht. 1800 Athleten kämpfen sich auf diesem Parcours ab, es geht rauf und runter, rauf und runter. Hopf beschleunigt, zapft die letzten Reserven an. Dort um die Ecke, dann muss doch das Ziel erscheinen.


Zufrieden: Gabriel Hopf holte in Henderson den siebten Platz in seiner Kategorie. Bild: Julian Perrenoud


Da stimmt etwas nicht

5 Uhr am Sonntagmorgen: Der Wecker klingelt in der Suite, die sich Hopf mit einem deutschen Wettkämpfer teilt. Hopf zieht sich an, isst Toastbrote mit Konfitüre, will nochmals zum Velostand, die letzten Vorbereitungen treffen. Kurz einlaufen, das muss sein. Sich die Startnummer 1597 auf den Arm schreiben lassen. Für eine halbe Stunde kurz hinlegen, im Kopf den Rennablauf durchgehen lassen. Er lockert die Arme für das Schwimmen, zieht sich den roten Rennanzug über, verlässt die Suite. Nervös sei er nicht, aber angespannt.

An der Ironman-70.3-Weltmeisterschaft nahe der Schillerstadt startet Hopf in der letzten Schwimmgruppe, um 8 Uhr morgens. Am malerischen See Las Vegas umrandet von italienisch angehauchten Hotelanlagen zieht er die blaue Schwimmmütze an, steigt mit 46 anderen Athleten ins Wasser. Der Startschuss. Los geht es auf ein viereinhalbstündiges Rennen, das nicht immer so verlaufen sollte wie geplant, aber besser herauskommt als erhofft. 33 Minuten sind vorüber, da taucht Hopf endlich am Ende der 1,2 Meilen langen Schwimmstrecke auf. Kein Warten, kein Zögern. Ab aufs Velo. Auf diesen Wechsel hat er sich in der letzten Woche akribisch vorbereitet. Kräftig tritt er in die Pedale, setzt sich in einem Feld fest, das von Meile zu Meile kleiner wird, bis sich Hopf in einer Dreiergruppe wiederfindet, die gemeinsam Rang um Rang gutmacht. Und doch stimmt etwas nicht, die Beine fühlen sich unerwartet schwer an, Hopf muss sich ranhalten, um nicht zurückzufallen. Reicht da die Kraft noch für die Laufstrecke?

Der Highway führt hinaus in die karge Wüstenlandschaft. 210 Höhenmeter müssen die Athleten bewältigen, ein ständiger Kampf diese Rhythmuswechsel, wird Hopf später sagen. Das Trinkwasser ist knapp bemessen, während des gesamten Rennens ernährt sich der 24-Jährige nur von aufgelösten Gels, Salztabletten und Red-Bull-Shots. Doch als er auf halber Strecke in die Trikottasche greift, ist sie fast leer, die Hälfte seiner Verpflegung ist irgendwo rausgefallen. Jetzt muss er sparsam sein.


Er ist schnell, sehr schnell

An den Strassenrändern stehen frenetisch applaudierende Amerikaner und Angehörige der Wettkämpfer, sie feuern die Athleten unermüdlich an, obwohl ihre Kleider selber schon nassgeschwitzt sind. Hopf erreicht in seiner Dreiergruppe die Wechselzone. Noch stehen ihm 13,1 Meilen auf der Laufstrecke bevor. Und der Bieler ist schnell, sehr schnell sogar. Nach einer zögerlichen ersten Runde beschleunigt er das Tempo, auch wenn die Strasse ansteigt. Am Ende wird es die viertbeste Laufzeit sein und ihn auf Platz 7 von 47 Athleten seiner Kategorie bringen. Doch noch stehen ihm einige Meilen bevor. Und immer ist da noch dieses Seitenstechen.


Ganz schön selbstkritisch

Aber Hopf kämpft sich durch, biegt auf die Zielgerade ein, sprintet über die Linie und wird von wartenden Helfern in die Arme geschlossen. Sie hängen ihm eine goldene Medaille, den Beweis, den Wüsten-Ironman bewältigt zu haben, um den Hals. 4:30 Stunden seine Zeit, die beste der Schweizer Männer. Einzig Karin Thürig mit ihrer Silbermedaille hat sich vor Hopf einreihen können. Und um ein Haar hätte es noch zum Diplom gereicht. Im Zielraum aber überwiegt die Freude über ein Resultat, «das besser ist, als ich meine Leistung einschätze», sagt Hopf. Ganz schön selbstkritisch für einen, der erst zum zweiten Mal überhaupt auf der Mitteldistanz gestartet ist. Nun will er seine Schwimmzeiten verbessern. Vorerst aber verbleiben einige Tage hier, denn schliesslich hat Las Vegas noch anderes zu bieten als blosse Wüste und staubige Strassen.

INFO: Die Ironman 70.3-Weltmeisterschaft ist eine in 23 verschiedenen Ländern ausgetragene IronmanTriathlon-Rennserie der World Triathlon Corporation, bei der seit 2006 jährlich eine Weltmeisterschaft stattfindet.


Zur Person • Geboren am: 27. Juni 1987 • Beruf: Gabriel Hopf arbeitet in einem 70-Prozent-Pensum als diplomierter Pflegefachmann bei der Spitex in Brügg. • Grösste Erfolge: U23-Duathlon-Schweizer-Meister 2008 und 2010, Gesamtsieg Swiss Triathlon Circuit 2010, 3. Platz 10-km-Strassen-SM U23 2007. 1. Platz 70.3 Ironman Rapperswil 2011 Altersklasse 18-24 (inkl. Qualifikation für die 70.3-Ironman-WM in Henderson). (mob)

Quelle Bieler Tagblatt 13.9.11


 - Bericht Gabriel


Eintrag Felix Weilenmann


Triathlon Club Seeland - Email: info[at]triseeland.ch