Susanne Gries wird am 8. Oktober an der Ironman-Weltmeisterschaft auf
Hawaii teilnehmen. Damit hat sie eigentlich nicht gerechnet.
Der Plan war ziemlich klar. Im Herbst wollte Susanne Gries mit ihrem Freund zwei Wochen BikeFerien in den Vereinigten Staaten machen. Doch wie das halt so mit Plänen ist, kommt manchmal etwas dazwischen, und die Ferien wurden um ein Jahr verschoben.
So ging die Porterin Anfang August an den Ironman nach Regensburg – ohne Hintergedanken. «Ich hatte ja nicht geplant, nach Hawaii zu gehen», sagt sie.

«Eine solide Saison»
Doch es sollte anders kommen. Gries brachte den Ironman in Regensburg (D), «das seinem Namen alle Ehre machte, auf den 180 Kilometern auf dem Rad hat es nur geregnet», gut hinter sich. In ihrer Alterskategorie wurde sie Dritte, womit sie sich das Ticket für die Ironman-WM in KailuaKona auf Hawaii sicherte. «Vom Zieleinlauf bis zum nächsten Morgen hatte ich Zeit, mir zu überlegen, ob ich gehen will», sagt Gries. Weil die Ferien ausfielen, nahm sie die Herausforderung an, nach 2010 ein zweites Mal nach Hawaii zu gehen.
Die Frage ist nun: Ist Susanne Gries auch gerüstet für das «härteste Rennen der Welt»? Analysiert man ihren Saisonverlauf, fällt auf, dass die Porterin konstante Leistungen erbrachte. Angefangen mit dem Sieg am Halbmarathon von Nidau, Rang zwei der Frauen am Mannheim Marathon und zwei Wochen später dem 16. Platz in ihrer Altersklasse am Grand Prix von Bern tastete sich Gries an höhere Aufgaben. Am Bieler 100-km-Lauf holte sie mit Filippo Larizza in der Kategorie Partnerlauf Mixed den Sieg, am Gigathlon Anfang Juli im Wallis schaffte sie nach 340 Kilometern und insgesamt 11 111 Höhenmetern den siebten Platz bei den Einzel-Frauen. Zufrieden war sie damit nur bedingt. «Nach meinem dritten Platz im Vorjahr hatte ich mir mehr erhofft», sagt Gries, «aber es war okay.» Ein Ausreisser nach oben, wie ihn die gebürtige Deutsche mit Platz drei am Gigathlon im Vorjahr und sogar dem zweiten Rang in ihrer Alterskategorie am Ironman Zürich 2010 hatte, fehlt dieses Jahr. «Im Prinzip ist es eine solide Saison mit konstanten Leistungen», bilanziert die Triathletin. Sie hat eine Erklärung dafür, weshalb der ganz grosse Exploit ausblieb.
Im Januar hat Gries ihren Job als Geschäftsführerin beim Schweizerischen TischtennisVerband angetreten. Wegen der vielen Einsätze am Abend und am Wochenende fehlte ihr die Zeit, einen konstanten Trainingsplan zu verfolgen. Klagen will Gries aber deshalb nicht. Auf diesen Job hat sie hingearbeitet, schliessich hat sie in den letzten zwei Jahren ein Aufbaustudium auf dem Gebiet Sportmanagement absolviert, mit dem Ziel, später für einen Verband zu arbeiten. «Ich fühle mich sehr wohl und es macht mir wirklich Spass», sagt Gries zu ihrem neuen Job.
Gefürchtete Winde
In dieser Woche will Gries viele kurze, intensive Trainingseinheiten absolvieren und vor allem den Wechsel vom Schwimmen zum Radfahren und vom Radfahren zum Laufen noch genau anschauen. «Ich habe gemerkt, dass ich da die meiste Zeit verliere», sagt Gries, «am Ironman in Regensburg hätte ich meine Kategorie gewonnen, wenn der Wechsel schneller erfolgt wäre, deshalb will ich da noch Zeit investieren.» Eine Woche vor dem Wettkampf fliegt sie dann nach Hawaii, damit ihr noch etwas Zeit bleibt, um sich zu akklimatisieren.
In Kailua-Kona herrschen Temperaturen um die 35 Grad, die Hitze ist schwül. Am gefürchtetsten am Ironman Hawaii, der 3,86 km Schwimmen im Pazifik, 180,2 km Radfahren und zum Abschluss noch 42,195 km Laufen beinhaltet, ist eindeutig die Radstrecke. Darauf machen die Mumuku-Winde den Athleten zu schaffen, die böig von der Seite her wehen. «Davor habe ich grosse Ehrfurcht», sagt Susanne Gries, «schliesslich kann man sich auf diese Winde nicht vorbereiten, weil sie nirgends sonst auf der Welt vergleichbar sind». Ansonsten geht die Porterin aber mit einem «sehr guten Gefühl» nach Hawaii. Weil sie sich eigentlich nicht darauf eingestellt habe, freue sie sich umso mehr. Letztes Jahr, bei ihrer ersten Teilnahme, absolvierte Gries den Ironman Hawaii in einer Zeit von 10:42:14 und wurde in ihrer Kategorie 23. «Ich gehe nun mit relativ wenig Druck dorthin, ich will für mich ein gutes Erlebnis, einen bestimmten Rang oder eine Zeit habe ich mir nicht vorgenommen», sagt die 35-Jährige.
Nach dem Wettkampf fliegt Gries zwei Wochen nach Maui, um sich zu erholen. Schliesslich geht sie so schnell nicht wieder nach Hawaii, denn nächstes Jahr, so viel ist klar, gibt es im Herbst eine Bike-Tour in den USA. So ist es jedenfalls geplant.
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